Umweltbeauftragter:
Walter Hoch

Königsbergerstr. 24
D-93927 Bürgstadt

 

Artikel aus "Wir Fischer"
Bezirk Unterfranken

Erstmaliger Interessenaustausch für ein gutes Miteinander zwischen Vertretern der Fischerei und des organisierten Motorbootsports
Umweltbeauftragter Walter Hoch vom Bayerischen Motoryachtverband hatte zu einem Umweltseminar ein volles Haus: 44 Teilnehmer von 21 Verbandsvereinen und viele Vertreter der Fischereizünfte am Main. Außerdem dabei: Ernst Teschke vom DMYV Otto Huttner, Präsident des Fränkischen Motorbootclubs, Klaus-Michael Weber, der Präsident des Bayerischen Motoryachtverbandes, Referentin Wachkamp von der BV Wassersportwirtschaft und eine Reihe weiterer Dozenten, von denen die Motorbootfahrer Neuigkeiten im Metier erfahren sollten.

Das Besondere an der Veranstaltung: Sie fand in einem Beispielbetrieb der Fischerei von Unterfranken statt. Also bei den Fischern. Mit denen, das weiß am Main jeder, liegen die Bootsfahrer mancherorts im Clinch. Aber darum ging es anfangs des Seminars noch nicht. Im Gegenteil, Hausherr Dr. Peter Wondrak ließ eine Brotzeit mit geräuchertem Fisch und köstlichem Frankenwein auffahren, hielt eine verbindlich klingende Ansprache zur Begrüßung und dankte den Skippem dafür, dass sie sich in die "Höhle des Löwen" gewagt hätten.

Artige Worte fand daraufhin auch LV-Präsident Weber, indem er insbesondere darauf verwies, dass die große Teilnehmerzahl als Signal zu verstehen wäre, wie beträchtlich das Interesse am Konsens mit den Fischern und Anglern sei.

Präsidiumsmitglied Teschke vom Deutschen Motoryachtverband lobte sowohl die Bootsfahrer, wie auch die Fischer für dieses Novum, miteinander im Gespräch nach Lösungen ihrer Probleme zu suchen. Der zweite Teil des Umweltseminars "Fischerei und Wassersport" war speziell für die Fischerei und die Sportschifffahrt.

Thema: Auswirkung des Wassersports auf die Fischbestände sowie Probleme bei der Fischereiaus- übung durch den Wassersport. Nach einer kurzen Kaffeepause ergriff Fischereidirektor Dr Peter Wondrak das Wort. Er untersuchte die Frage, wie sich Bootssport auf die Fischerei auswirkt und kam wie erwartet zu keinem sehr schönen Urteil. Ausgerechnet im Frühling, wenn die Natur und die Fische der besonde- ren Schonung bedürften, ginge der Rabatz los. Und zwar mit Autos, Motorrädem und Booten gleicher- maßen, also am und auf dem Main. Aber während es auf der Straße nur vorbeirauscht, würden speziell die Trailerboote an einer Rampe ins Wasser gesetzt und jaulten dann auf und ab, hin und her zwischen  2 Staustufen. Das ginge an schönen Wochenenden den ganzen Tag so. Da kämen die Fische praktisch nicht mehr zur Ruhe. Und da fragt sich der Fischereidirektor natürlich, was an dem Herumgehaste auf dem Main so schön sein soll. Denn er habe immer gemeint, so ein Boot wäre zum Wandern auf dem Wasser da. Und vielleicht könne man mal mit dem Hin- und Herrasern unter Sportsfreunden reden, dass die mal was anderes mit ihren Booten tun. Weil der Main eine Bundeswasserstraße wäre, würden ja viele meinen, es handle sich um eine Autobahn, die zu gar nichts weiter da ist, als auf ihr entlang zu brausen, auch wenn das dort nicht im Kreisefahren vor sich ginge.

Natürlich habe auch die Industrie eine erhebliche Mitschuld am Zustand des Flusses. Auch sie wirke sich negativ auf die Fischerei aus. Und überhaupt sei schon der Ausbau der Wasserstraße ohne Rücksicht auf das Leben im Wasser durchgezogen worden.

Dennoch freue es ihn, dass es zu diesem Umweltseminar gekommen wäre und die Bootsfahrer sich Gedanken über Natur und Umwelt machen und auch Rücksicht nehmen wollten.

Problematisch sind die Häfen am Main, wen sie in Stillwasserzonen, also in vorhandenen Biotopen (Buhnenfelder) entstünden, wo die Fische und die entsprechenden Rechte vor den Bootsfahrern waren. Etwas völlig anderes sei es, wenn ein Bootshafen erst aus der Wiese gebaggert würde (der vor Sog und Schwall der Großschifffahrt schützt). Auch die Menge an Liegeplätzen spiele eine gewichtige Rolle. Zu viele Boote in einem Hafen sind der Fischerei in jedem Fall abträglich. Schließlich sind im Laufe der Jahre die Boote sehr viel größer geworden. Aber der Main wäre ein an vielen Stellen recht schmaler Fluss geblieben. Es sei ein Anblick zum Fürchten, wenn sie mit den Pötten auf dem engen Gewässer daher kämen; wie in Monte Carlo.

Und in der Mainschleife, meinte der Fischereidirektor, sollte das Fahren mit Motorkraft völlig eingestellt werden. Das alles möchten die Umweltbeauftragten der Vereine bitte ihren Bootsfahrern vermitteln. In der anschließenden Diskussion tauchte die Frage auf, warum das eigentlich alles ? Fischerei als Broterwerb würde auf dem Main an den meisten Orten schon seit 3 Generationen nicht mehr betrieben. Die Inhaber der Rechte würden nur noch Berechtigungsscheine an Angler verkaufen und haben damit eine völlig andere Funktion als ihren Ahnen eingenommen. Sie kassieren also nur noch, hätten mit Fischen längst nichts mehr am Hut. Und die Angler ihrerseits, das könnte man häufig beobachten, würden die Fische aus dem Wasser ziehen, ihnen das Maul beim Entfernen der Haken verletzen und sie dann gar nicht selten wieder ins Wasser werfen, wo sie jämmerlich eingehen. Sie hätten also wenig Grund, sich über die Bootsfahrer zu erregen.

LV-Präsident Weber versuchte die Wellen zu glätten. Er wies darauf hin, dass der Schluss "große Boote - reiche Leute" falsch sei. Er und sein tüchtiger Umweltbeauftragter wollen einen Ausgleich mit den Fischern. Aber sie wollen die Bootsfahrer nicht zu Prügelknaben degradiert sehen. Jeder habe gewusst, dass große Meinungsverschiedenheiten bestünden. Man wäre gekommen, so Walter Hoch, um Vorur- teile abzubauen und Probleme, die auf dem Wasser entstehen, gemeinsam zu lösen. Gegenseitiges Beschimpfen habe also keinen Zweck.

Der Fischereidirektor gab zu, dass es auch bei Fischern und Anglern Maximalforderungen gäbe. Ginge es nach den Fischern, würde die Schifffahrt auf dem Main ganz verboten. Die Eskalation mit den Boots- fahrern rühre daher, dass es ausgerechnet in den Bootshäfen viele Fische gibt. Das wäre der Grund, dass es wegen sog. entgangenen Fischereirechten zu Forderungen an die Vereine und schließlich zu Klagen vor Gericht kam. Und was die an manchen Stellen sehr starke Konzentration von Trailerbooten angeht, müsse bedacht werden, dass es nur sehr wenige Einsetzstellen gibt.

Mit ihrem Vertreter Glaab aus Aschaffenburg hatten die Fischer einen weiteren Mann bei der Veranstal- tung. Der fährt Sommers in Frankreich selbst Boot und sieht die ganze Zwietracht gelassener. Richtig sei, dass die großen Boote, wenn sie auf dem kleinen Fluss schnell daher kommen, gefährlich ausse- hen. Aber das eigentliche Problem liege darin, dass es sich beim Angeln wie beim Bootsfahren heute ausschließlich um Freizeitangelegenheiten handelt. Weil dem so ist, trifft man sich vorwiegend am Wochenende, also quasi alle auf einmal. In Aschaffenburg gebe es 250 Bootsliegeplätze. Rechnet man die Häfen der Umgebung dazu, wären es 400. Das sei einfach sehr viel für das relativ kleine Revier. Und daher rühre letztlich auch der Konflikt.

Der Streit komme aber auch daher, dass man zulasse, in bestehenden Stillwasserzonen Bootshäfen zu errichten, ohne den Vereinen zu sagen, welche Rechte seitens der Fischerei dort bereits bestünden. Die Bootsfahrer fielen dann aus allen Wolken, wenn die Fischer plötzlich Forderungen stellten, an die man gar nicht habe denken können. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Boote selbstverständlich sicher untergebracht werden müssen, die Häfen also notwendig sind. Deswegen wird man zumindest langfristig einen Kompromiss finden müssen.

LV-Präsident Weber zeigt sich sehr zufrieden, dass die Debatte eine andere Richtung bekam, denn bis dahin habe die Optik nicht gestimmt. Man möge bei der Kritik an den vielen Booten bitte bedenken, dass von diesen an schönen Wochenenden nur 25 % unterwegs wären und die auch nicht länger als 36 Stun- den pro Jahr.

Aber sie müssten langsamer fahren, verlangte ein Fischer. Ihm wären gleich 2 Boote eines Schlauch- bootclubs entgegengerast, hätten seinen Nachen versenkt, den Motor gleich mit und gelacht hätten sie außerdem.

Das wären Auswüchse, sagte der LV-Präsident. "Schwarze Schafe" würde es überall geben, selbstver- ständlich auch unter den Skippern. Um so nötiger sei es, dass man aufeinander zugeht. Es ginge nicht an, dass sich auch in den nächsten 20 Jahren nichts am Verhältnis zwischen Fischern, Anglern und Bootsfahrern ändert.

Selbstverständlich müsste der Blick der Bootsfahrer für den Lebensraum und für die Interessen anderer gesellschaftlicher Gruppen geschärft werden. Neue Einsichten seien auf beiden Seiten nötig. Das Um- weltseminar im Hause der Fischerei sollte der Anfang eines gewiss länger dauernden Prozesses sein.

LV-Umweltbeauftragter Walter Hoch darf für sich in Anspruch nehmen, ein als nötig angesehenes Wag- nis mit seinem Umweltseminar auf sich genommen zu haben.

Solcher Mut ist nicht selbstverständlich. Er hat ihn aufgebracht und den Bootsfahrern sowie der Fischerei einen heute noch gar nicht abschätzbaren Dienst erwiesen.

Der Fischerei ein Petri Heil und
den Skippern eine handbreit Wasser unterm Kiel !

H. Squara

Maidbronn, den 24. Oktober 1998