Bayerischer Motor-Yacht-Verband
Umweltseminar in Passau

Am 15. April 2000 führte der Bayerische Motoryachtverband unter der Regie seines Umweltbeauftragten Walter Hoch sein 2. einschlägiges Seminar durch. Diesmal  war das Clubhaus im schönen Passauer Bootshafen, Donau-km 2232, der Ort des Treffens.

Walter Stadler, Vorsitzender des Motor-Yacht-Club Passau, begrüßte neben den zahlreich erschienenen Vorstandsleuten der Vereine Gäste anderer Donau-Anliegerstaaten, WSP-Chef Fenzl, Fischereidirektor Dr. Harsanyl, Bezirksrat Volkmer, BMYV -Präsident Weber mit fast seinem gesamten Vorstand, Präsidiumsmitglied Ernst Teschke vom Deutschen Motoryachtverband, Dr. Johannes Schmidt vom DMYV -Referat Raumordnung, Fischermeister Pröll, Geschäftsführer Tracht von der Wassersportwirtschaft und weitere Referenten und Gäste.

Nachdem auch Umweltbeauftragter  Walter Hoch die Gäste begrüßt hatte, erläuterte BMYV -Präsident Klaus Weber den Sinn der Veranstaltung. Neben Boot bezogenen Umweltthemen ginge es danach vor allem darum, zwischen Sportschifffahrt und Fischerei einen Ausgleich zu finden, um künftig ein besseres Miteinander gewährleisten zu können. Das Seminar sollte zu gegenseitigem Verstehen führen. Er freute sich, dass viele Vertreter des Bezirksfischerei-Verbandes erschienen waren.

Fischereidirektor Dr. Harsanyl ging  auf die Vergangenheit ein, als sich Bootfahrer und Fischer des öfteren vor Gericht trafen. Er gestand den Bootfahrern ein Recht auf Nutzung der Gewässer zu. Aber sie müssten Rücksicht auf die Eigentumsrechte der Fischer nehmen. Er hoffte, dass das Seminar im Einklang beendet würde.

Polizeihauptkommissar Fenzl berichtete aus der Arbeit der WSP, der in der Vergangenheit ca. 50 Unfälle mit Sportbooten gemeldet wurden. Unkenntnis, Leichtsinn und zu geringer Abstand zum Ufer und zu Sandbänken seien meistens die Ursachen. In 6 Fällen kam es zu Vergaserbränden, weswegen zur Installierung von Dieselmotoren geraten würde. 1999 wurden erfreulicherweise keine Unfälle gemeldet. Desweiteren erinnerte der PHK daran, dass auf der Donau das Betanken aus Kanistern verboten ist und das Betreiben lärmender Fahrzeuge eine Ordnungswidrigkeit darstellt.

In diesem Zusammenhang forderte Umweltbeauftragter Hoch, dass beim Sichten eines Berufsfischers langsam gefahren werden sollte, weil die Netzbefischung oder das Legen bzw. Heben von Reusen bei Wellenschlag nicht möglich wäre.

H. Rühmann von der Firma Solarvent referierte über Solarstrom an Bord, welcher eine gravierende Einschränkung der C02-Emmissionen zur Folge und auch sonst nur Vorteile habe, da bei richtiger Installation immer Strom zur Verfügung steht.

Mit einer Fischbrotzeit, gestiftet vom  Bezirks-Fischereiverband wurden alle Teilnehmer für den nächsten Teil des Umweltseminars fit gehalten.

Geschäftsführer Tracht von der Bundesvereinigung Freizeitschifffahrt beleuchtete anschließend die Umweltbelastungen durch Boote. Neben den bekannten Negativposten Wellenschlag, Bodenerosion usw. kamen dabei die Umweltfördernde Aspekte zur Sprache. So würden den Gewässern erhöhte Luftkeime durch den Propellerstrahl zugeführt. Auch die gelösten Gasanteile würden in Form von Sauerstoff erhöht und ferner sorgen die Propellerturbulenzen für den Abbau von Schadstoffen und Fäulnisablagerung. Flachgetauchte Schiffsschrauben wie sie Außenborder und Z-Antriebe haben, wären besonders fördernd, weil sie das Wasser gesunden lassen, das biologische Wachstum fördern und Schadstoffe abbauen. Aber auch tiefgetauchte Propeller (Wellenanlagen) sorgen für eine Durchmischung des Wassers, reduzieren Fäulnisablagerung und bauen Schadstoffe ab. Wenn alle Boote zur Vermeidung von Bodenerosionen in Flachwassergebieten zudem langsam gefahren würden, sei insgesamt eine Schädigung der Gewässer durch den Bootsbetrieb nicht nachzuweisen.

Hinsichtlich Grenzwerten für Schallemissionen, so teilte Geschäftsführer Tracht mit, sind die Motorenhersteller bei den Außenbordern verantwortlich.
Bei Innenbord-Maschinen wären das  hingegen die Hersteller der Boote. Zur Zeit würde die 7. Überarbeitete Vorlage bei der EU-Kommission diskutiert. Der früheste Einführungstermin  der Grenzwerte für 2-Takt-Außenbordmotoren könnte im Jahr 2005 liegen.

Vertreter Führer von der Voss-Chemie  äußerte sich zu Unterwasseranstrichen entsprechend einer 1998 erlassenen Verordnung. Danach sind die Hersteller aufgefordert, innerhalb von 10 Jahren nur noch von Gift freie Antifoulingfarben zu produzieren. Ab dem Jahr 2008 dürfen keine biozidhaltigen Antifoulings mehr verwendet werden.

Heute noch zulässig sind die Wirkstoffe  Kupfer, Diorole und Triazine. - Seit 1986 dürfen Arsen, Quecksilber und Zinn keine Verwendung mehr finden.

Zur Zeit werden Silikonsysteme erprobt. Sie enthalten allerdings Weichmacher und Öle. Diese weichen Substanzen in der Silikonschicht könnten bei Berührungen mit Treibgut oder anderen Hindernissen im Wasser leicht beschädigt werden. Alternativ sei es möglich, Bioprodukte zu verwenden, aber deren Funktionsfähigkeit würde derzeit noch angezweifelt.

Zu den schon mehrfach in Seminaren  vorgestellten Bürstenwaschanlagen sagte der Referent, dass sie wegen hoher Anschaffungskosten unrentabel wären. Muscheln und Seepocken könnten damit auch nicht entfernt werden, dafür sei der Einsatz von Spachtelwerkzeugen weiterhin unerlässlich. Er gab auch zu bedenken, dass durch das Absinken der Bewuchsanteile Belastungen des Hafenbeckens entstünden.

Einen kompletten Verzicht auf Antifoulings nannte der Experte kaum realisierbar. Ein Schiff müsste im Seewasser alle 4 Wochen und im Süßwasser alle 6 - 8 Wochen gereinigt werden. Versuche hätten ergeben, dass ein 24 qm großes Unterwasserschiff einen Bewuchs von 0,3 - 21 kg (Trockenmasse) in einem Zeitraum von 6 Wochen ansetzt.

Giftfreie Antifoulings befinden sich  noch in der Entwicklung. Der Referent machte darauf aufmerksam, dass alle jetzt erhältlichen Antifoulings zulässig sind, aber ab 2008 nicht mehr in der derzeitigen Form verkauft werden.

Dr. Johannes Schmidt befasste sich  mit den Aufgaben des Umweltbeauftragten im Verein und wies ihm eine schöne Menge Arbeit zu. So müsse er sich zunächst das nötige Rüstzeug verschaffen. Er habe sich an Informationen zu besorgen, was DMYV , andere Wassersportverbände, Behörden und Gegner der Bootfahrer veröffentlichen.

Auch neue Regelwerke und besondere  Gewässerrichtlinien müssten ihm schnellstens bekannt werden.
Im praktischen Bereich muss sich der  Clubumwelt-Beauftragte um die Voraussetzungen kümmern, die zum Erwerb der Blauen Europaflagge führen, er habe Umwelt-Informationen im Verein zu verbreiten, auf Sauberkeit im Hafen zu achten, die ordnungsgemäße Entsorgung von Abfällen zu kontrollieren und sonstiges, was einem Hafenpolizisten obliegt, zu regeln. Dazu gehöre es auch, den Skippern Verhaltensnormen auf dem Wasser durch Schulungen zu vermitteln.

In der folgenden Diskussion regte  Clubvorsitzender Stadler an, dass die Vorstände (Ehrenamtsträger) der Vereine eine bessere Schutzstellung durch die Behörden erfahren sollten.

H. Schlögl schlug vor, andere ansässige Vereine, z.B. Fischer, nicht nur bei Vereinsveranstaltungen, sondern auch bei internen Angelegenheiten, z.B . einer geplanten Stegerweiterung, in die Entscheidungs-Findung einzubeziehen. Zwischen dem MYC Passau und dem 1. Bezirks-Fischereiverein bestünde ein derart gutes Verhältnis, wie es das sonst nirgendwo in Deutschland gibt, sagte H. Schlögl. Gegenseitiges Verständnis und Entgegenkommen seien dafür die Grundlage. So werden z.B. beim alljährlichen Preisfischen ein allgemeines Fahrverbot durch den Club erlassen und die Einfahrt gesperrt.

Fischerei und Wassersport war das  Thema von A. Pröll, Fischermeister aus Obernzell. 3 Anliegen beschäftigen die Fischer neben dem Fisch selbst : Großschifffahrt, Sportschifffahrt und die Kormorane. Bei der Sportschifffahrt sollten die Vorstände darauf hinwirken, dass Sog- und Wellenschlag vermieden werden; genügend Abstand zum Ufer gewährleistet ist und Altgewässer nicht befahren würden. Er hält es für erstrebenswert, Vertreter der Bootfahrer zu den Generalversammlungen der Fischervereine einzuladen, um miteinander und nicht gegeneinander zu diskutieren.

Dr. A. Harsanyl, der Fischereidirektor,  sieht die größten Schwierigkeiten zwischen den Fischern und den Skippern in der Neueinrichtung von Liegeplätzen für Sportboote, aber auch in der Ausübung des Bootssports an sich. Würden sich die Bootfahrer auf die Fahrwassermitte (Fahrrinne) beschränken, also die Ufernähe meiden, könnte die Beschädigung von Treibnetzen ausgeschlossen werden. Bei den Jetskifahrern (Wassermotorräder) sieht der Fischereidirektor hingegen schon regelrechte Eigentumseinschränkungen der Fischereirechte. Hinsichtlich des Baus von Häfen halten die Petrijünger die Errichtung mehrerer kleiner Häfen mit wenigen Booten für eher begrüßenswert als größere, rentabler zu bauende Anlagen.

Die Donau, so fuhr Dr. Harsanyl fort,  habe sich stark verändert. Die Vermehrung des Fischbestandes sei rückläufig. Um die Ertragsfähigkeit zu erhalten, wäre es nötig Ruhezonen einzurichten. Die Interessen der Fischer stünden deswegen oft konträr zu denen der Bootfahrer. Das schlage sich dann so wie z.B. in Vilshofen nieder, wo sich die Gegensätze am geplanten Bau eines Bootssteges entzündeten. Der Fischereidirektor hält deswegen eine Vorabstimmung mit dem Fischereiverband beim geplanten Bau neuer Steg- und Hafenanlagen für zweckmäßig.

Das Umweltseminar war gegen 18 Uhr  beendet.

Dieser Artikel ist eine verkürzte, freie Wiedergabe der Protokollseiten 1 - 10 von Ulrike Stadler, Schriftführerin des MYC Passau. Für die Überlassung derselben danken wir dem Umweltbeauftragten Walter Hoch.

 YCI-Red. Squ  

 Walter Hoch

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